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28.10.07 - Herbst 2007 ... Platon´s "Heiliger Wahnsinn"


Impotenz als Zeichen geistiger Reife

"Nun ist er völlig durchgeknallt ... unser lieber Admin" ... werden sicher einige Leser dieser Kolumne beim Erspähen der Überschrift gedacht haben. "Ist er nicht!" versichert Euch selbiger.

Statt über aktuelle Projekte und Ereignisse aus dem Beverly zu berichten, habe ich mir gedacht in diesem Winter einmal über geistesgeschichtliche Hintergründe und Meinungen zu fabulieren, die mich in grauen Wintermonaten beschäftigen.

Sicher haben viele von Euch schon einmal den Begriff "platonische Liebe" gehört. Darunter verstehen wir im allgemeinen eine besondere intensive "geistige" Form der Liebe, die die Bereiche "Lust" und "Leidenschaft" (den Sex) ausklammert. Also eine mehr oder weniger
kategorische Beschneidung des Gefühls oder zumindest die Einschränkung des selbigen.
Das Modell sieht eine enge seelische Verbundenheit, die jedoch den sexuellen Aspekt völlig ausschließt.

Erschwerend kommt hinzu das im antiken Griechenland die "Liebe" zwischen Mann und Frau
nie "platonisch" sein konnte. Die "platonische Liebe", von Platon im übrigen auch als die
"wahre Liebe" bezeichnet, war nur unter "Gleichen" möglich, wobei "Gleiche" Individuen
sein mussten die über gleiche Rechte und gleichen Status verfügten. Da Frauen in der antiken Gesellschaft aber weder die gleichen Rechte noch den gleichen Status wie die Männer besaßen,
konnte es nach Platons schematischem Denken in dieser Konstellation keine "wahre respektive platonische Liebe" geben.

Tja ... der gute alte Philosoph machte sich das Leben schon schwer! - Nach der "wahren Liebe"
strebend, die ja nach eigener Schematisierung nun nur zwischen Männern möglich war, musste
der Philosoph die "körperliche Liebe" als niedrige Stufe der Liebe für sich selbst mehr oder weniger ausschließen um der göttlichen Vollkommenheit als Ziel allen Bestrebens näher zu kommen. Eine Art Selbstkasteiung mit dem Ziel Überlegenheit auf geistiger Ebene zu erzielen oder aber solche vorzuspiegeln.

Leider ist der Philosoph dann doch nicht so "rein" wie es seine Philosophie vermuten lässt. In seiner Dichtung "
Phaidros" lesen wir von seinen poetischen und geradezu romantisch verlänglichen Gedanken, die Platon in Bezug auf einen verehrten Jüngling formuliert. Nach dem "Wahren" suchend landet Platon beim "Eros" und muss feststellen das er seiner eigenen Schematisierung nicht folgen kann. Zwischen philosophischer Theorie und menschlicher Praxis entsteht ein Zwiespalt den Platon nur schwerlich überbrücken kann.

Wenn er dem "Eros" verfällt verlässt er die selbst gewählte Stufe des Überlegenen in anderen geistigen Regionen schwebenden Übergeistes. Auch Sokrates und weitere junge Philosophen werden in dieses schwierigen Denkprozess einbezogen. Alles gipfelt in dem Beschluss dem "Eros" trotz der Verlockung zu entsagen und stattdessen dem "Eros" nur in Worten zu huldigen.

Übertragen wird also die "Lust" gepriesen und gelobt ... gleichzeitig aber von der Ausübung abgesehen ... um den selbst gewählten Ansprüchen gerecht zu werden und eben die geistige
Überlegenheit zu manifestieren. Und dies alles wohlgemerkt ausschließlich auf den damals
beliebten Bereich der "Homoerotik" bezogen.

In der Fortführung des Gedankens fallen Parallelen zu anderen Gesellschaften und Religionen auf: Auch die christliche alttestamentliche Lehre sieht beispielsweise die Figur der "Eva" als Verführerin und damit auch ein wenig als "Wurzel des Übels". Das christliche Mittelalter ist
lustfeindlich und definiert fleischliche Lust ohne Fortpflanzungsabsicht als "Sünde" und Abkehr
von göttlicher Bestimmung. Auch hier spielt das reduzierte Frauenbild eine wichtige Rolle: Zwar ist die Gottesmutter Maria zu loben und zu preisen, gewissermaßen eine Ausnahme unter den "sündigen" Frauen, allerdings muss dabei unbedingt auf die unbefleckte Empfängnis verwiesen werden. Also gehen wir mal davon aus das nicht nur die Empfängnis sondern das ganze Leben
dieser Maria "unbefleckt" verlaufen ist ... aber ist das nicht völlig vergeistigtes Wunschdenken?

Was stellen wir fest? - Sowohl Platon und seine Kollegen wie auch die kirchlichen Weisen haben ein grundsätzliches Problem mit dem was wir "Erotik" nennen! - Es ist die Ablehnung und/oder
Abstufung eines essentiellen menschlichen Bedürfnisses. Je plakativer dies geschieht desto merkwürdiger werden die Züge des "Geistesgebildes". Mich wundert das Platon und Kollegen
nicht den Weg zur Selbst-Kastration gegangen sind ... sollte dies den Schwindel beweisen können? - Schließlich glaube ich nicht im Ernst das der bzw. die Philosophen dem "Trieb" völlig entsagt haben.  Ich würde eher davon ausgehen das eine gewisse "Doppelzüngigkeit" nicht von der Hand zu weisen ist.


Zeitsprung ins 21. Jahrhundert


Platon im Swingerclub? - Der Swingerclub als Gegensatz zu "platonischer Liebe", als Gegensatz zu einem Begriff den wir ab heute streichen können? - Kann man das abstrakt betrachten?

Nach Platons Thesen müssten die im Beverly versammelten Scharen im Gegensatz zum Streben nach göttlicher Vollkommenheit die Stufe nach unten gehen: Also durch das Genießen von "Eros" dem Geist schweren Schaden zufügen. Indem man den körperlichen Gelüsten frönt kommt man
somit immer weiter weg von der geistigen Entfaltung und Reifung.

In der Tat gibt es in der Swingerszene sicher so manche Entgleisung und nicht immer ist alles gut was geil macht. Aber ist man nun zwangsläufig ein "Untermensch" wenn man Sex genießt und
gerne "swingt"?

Ohne dies weiter ausführen zu wollen, da dies sicher den Rahmen der Kolumne sprengen würde,
möge doch jede und jeder selbst entscheiden ob es wirklich diesen Ausschluss zwischen "Eros" und "Geist" gibt, ob sich Liebe schematisieren lässt ... oder ob sich einige zugegeben schlaue Köpfe selbst lusttechnisch "ad absurdum" geführt haben.

Übrigens kann man natürlich auch eigenes Versagen, Verklemmtheit oder Unvermögen demnächst getrost auf Platon schieben ... nach dem Motto "Lust schadet meinem Geist!"

Wie herrlich ... Impotenz ist keine Krankheit ... sondern ein Zeichen der geistigen Reife!
Immer wenn mich das Verlangen packt und ich den Wunsch nach "Vereinigung" verspüre,
schlägt mein Geist mir kräftig auf den Sack? ... Dieser Zusammenhang blieb mir verborgen,
bis ich auf Platon und seine Kumpels "gestoßen" bin ... Wenn Platon das Beverly kennen würde und sich einmal ernsthaft mit dem "weiblichen Wesen" befassen würde .... was würde passieren?

Überlassen wir das einmal der Fantasie ...

Ich bevorzuge in diesem Zusammenhang das Beibehalten gewisser "geistiger Defizite" und
grüße Euch mit einem frivolen Augenzwinkern als

Euer Admin

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